Kalt duschen: Wie ein VHS- Kurs mein Leben veränderte

Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich freiwillig kalt dusche. Zeit meines Lebens war ich bekennender Warm-, wenn nicht sogar Heißduscher. Wasser konnte für mich nie zu warm sein- eher immer zu kalt. Das sich das eines Tages ändern würde, verdanke ich Katja, meinem spirituellen Sonnenschein. Doch lest selbst, wie ich vom Heißduscher zum Liebhaber der kalten Dusche wurde

VHS- Kurs „Wohlbefinden- 100 kleine Übungen für Zwischendurch“

Im März 2025 nahm ich am VHS- Kurs „Wohlbefinden- 100 kleine Übungen für Zwischendurch“, geleitet von Katja teil. Ein dreistündiger Abendkurs, in dem es darum ging, kleine alltagstaugliche Übungen zu erlernen, die das eigene Wohlbefinden steigern- ganz unkompliziert und ohne Hilfsmittel.

Schütteln, erden, meditieren

Während des Kurses lernten wir Teilnehmer verschiedene Übungen kennen. Jede einzelne haben wir nicht nur in der Theorie durchgesprochen, sondern auch direkt ausprobiert. Nicht jede Übung war für jeden Teilnehmer geeignet und doch gingen wir alle mit einem kleinen, sehr individuellen Methoden- Koffer nach Hause.

Ich zum Beispiel war kein Freund des „Ganzkörperschüttelns“. Während die anderen Teilnehmer durch weg von positiven Erfahrungen sprachen, kämpfte ich mit den Tränen. Für mich war diese Methode wahnsinnig schambehaftet. Warum? Dafür habe ich keine Erklärung.

Schütteln mit Osho- Meditation

Schütteln löst Stress, Verspannungen und reguliert das Nervensystem

Obwohl das Schütteln zunächst negative Emotionen in mir auslöste, nahm ich die Übung mit nach Hause. Denn ich hatte das Gefühl, dass in ihr viel Potential steckt- wenn ich sie allein in meinen eigenen vier Wänden praktiziere.

Heute nutze ich die Übung regelmäßig. Sie löst Stress, Verspannungen und reguliert mein Nervensystem.

Für die Übung stehe ich aufrecht, Füße hüftbreit und die Knie leicht gebeugt. Dann beginne ich mit sanften Bewegungen meiner Hände und Arme und lasse das Schütteln auf Schultern, Rumpf und Beine übergehen. Alles darf wackeln und in Bewegung sein. Zum Schluss werde ich wieder langsamer, atme tief ein und spüre in meinen Körper hinein.

Begleitet wird die Übung bei mir fast immer von der Osho-Dynamic-Meditation.

Erdung – ein Gefühl, keine Theorie

Erdung ist für mich eines der Themen, für die ich keine Worte finde. Erdung ist ein Gefühl – etwas, das erlebt werden will und sich meiner Meinung nach nicht wirklich beschreiben lässt. Alle Versuche, es in Worte zu fassen, fühlten sich für mich holprig an. Deshalb lasse ich es dabei: Erdung ist nichts Rationales, sondern etwas zutiefst Emotionales 😊.

Wer sich dennoch theoretisch mit dem Thema beschäftigen möchte, dem empfehle ich diese Artikel:

Barfuß laufen

Eine der effektivsten Methoden der Erdung ist für mich das Barfußlaufen. Der direkte Kontakt zur Natur schenkt mir innere Ruhe, Stabilität und ein tiefes Gefühl von Verbundenheit – mit Pflanzen, Tieren und allem, was lebt.

Die natürlichste Art zu gehen- Barfuß

Während des Kurses haben wir eine Visualisierungsübung ausprobiert. Diese hat mir sehr gutgetan, während andere Teilnehmer weniger damit anfangen konnten sich zu erden. Mir hilft die bewusste Erdung mich im Hier und Jetzt zu verankern. Und manchmal hilft sie mir auch überschüssige Energie abzuleiten.

Für diese Übung stehe ich hüftbreit, die Arme hängen locker, die Augen sind geschlossen. Ich stelle mir vor, wie aus meinen Füßen Wurzeln wachsen, tief in die Erde hinein, wo sie sich fest verankern.

Verbundenheit
Symbolfoto/ Bild von bronnie69 auf Pixabay

Als wir die Übung während des Kurses gemacht haben, ist etwas sehr Berührendes in mir passiert. Ich fühlte mich nicht nur geerdet, sondern auch tief verbunden mit allen anderen Teilnehmenden. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie sich unsere Wurzeln miteinander verbanden. Ein unglaublich schönes Gefühl – denn wann erleben wir im Alltag echte Verbundenheit mit anderen Menschen? Diese Erfahrung hat mich nachhaltig beeindruckt.

Kalt duschen- der Gamechanger

Langsames herantasten 🙂

Während des Kurses kam die Frage auf, was man spontan tun kann, wenn man wütend ist oder von negativen Gedanken überrollt wird. Katja nannte mehrere Möglichkeiten: Schütteln, Meditation – und kalt duschen.

Ich war mir sicher, mich verhört zu haben. Freiwillig kalt duschen? Und sich auch noch darüber freuen?

Doch Katja meinte es vollkommen ernst. Sie erklärte, was beim Kaltduschen im Körper passiert und welche Vorteile es haben kann. Während ich ihr zuhörte, dachte ich innerlich nur: „Ist mir egal.“ Für mich stand fest: Diese Übung wandert nicht in meinen Methodenkoffer.

Ein mieser Tag

Es gibt gute Tage und weniger gute Tage

Mehrere Wochen vergingen und ich probierte einige der erlernten Übungen aus. Einzelne halfen mir, mit anderen konnte ich weniger anfangen. Doch das war okay und durfte so sein. Nicht jede Übung ist für jeden Menschen gleich gut geeignet.

Doch dann kam dieser eine miese Tag. Ich war angespannt, wütend und gefangen in einem Gedankenkarussell. Mitten in dieses Chaos mischte sich plötzlich ein leiser Gedanke:

„Wie wäre es mit kalt duschen?“

Ich wollte diesen absurden Gedanken sofort verwerfen – doch er ließ mich nicht mehr los. In mir tobte ein innerer Kampf.

Der Heißduscher in mir schrie: „Untersteh dich!“

Der andere Teil flüsterte: „Probier es aus. Was hast du zu verlieren?“

Erst der Schock, dann das Wohlfühlen

Mit der inneren Gewissheit, das Wasser jederzeit wieder warm stellen zu können, gab ich nach.

Und was dann geschah, veränderte mein Leben – nicht komplett, aber ein kleines Stück davon.

Ich stellte mich einfach unter die kalte Dusche. Kein langsames Herantasten, kein System.

Ein Schock.

Noch nie war ich so schnell im Hier und Jetzt. Wut, Gedanken, alles war weg. Da war nur noch ich – nackt unter eiskaltem Wasser. Das Einzige, was ich noch konnte, war zitternd vor Kälte Katja zu verfluchen. Von „Ich hasse Katja“ bis „Wie bescheuert kann man sein?“ war alles dabei.

Zwei Minuten hielt ich durch. Noch nie war ich so schnell abgetrocknet und in meinen Lieblingshoodie gekuschelt.

Doch ich spürte sofort die Veränderung: Die Wut war weg, die Verspannung ebenso. Mein Gedankenkarussell stand still. Stattdessen fühlte ich mich klar, wach und überraschend wohlig.

Meine Wut auf Katja wich Dankbarkeit. Ich liebte dieses neue Gefühl – und beschloss, öfter kalt zu duschen.

Kalt duschen mit System

Anfangs duschte ich nur gelegentlich kalt, vor allem an schlechten Tagen. Mit der Zeit wurde es zu einer täglichen Praxis – nun jedoch langsam, bewusst und in Rücksprache mit Katja.

Heute koche ich mir vor dem Duschen einen Tee, den ich mit ins Bad nehme. Nach der Abkühlung wärmt er mich von innen.

Heißer Tee wärmt nach der kalten Dusche von Innen

Ich gehe nicht mehr sofort komplett unter die kalte Dusche, sondern taste mich langsam heran: erst Füße und Unterschenkel, dann Hände und Unterarme, anschließend Oberschenkel, Oberarme, Bauch, Brust und Rücken. Dabei rubbele ich meinen Körper intensiv.

Den Kopf lasse ich immer aus. Ich habe gelesen, dass es Menschen gibt, die auch den Kopf kalt abduschen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich gesund ist. Ich habe es selbst ausprobiert und recht schnell erkannt, dass ich das als außerordentlich unangenehm empfinde.  Meine Haare wasche ich separat.

18 (angebliche) Vorteile des kalt Duschens

Für diesen Artikel habe ich es mir zur Aufgabe gemacht im Internet etwas zu recherchieren. Hier ist eine unvollständige Auswahl all der (angeblichen) Vorteile des kalt Duschens, die ich für diesen Artikel- Abschnitt recherchiert habe.

Wenn ich mir all diese (angeblichen) Vorteile durchlese beschleicht mich das Gefühl, dass kalt zu duschen das beste Medikament gegen (fast) alles ist. Stress? Geh kalt duschen. Schlechte Haut? Geh kalt duschen. Antriebsarm? Geh kalt duschen. Wenn es so einfach wäre, dann wäre kalt zu duschen tatsächlich das beste und vor allem günstigste Medikament, welches es gibt. Allerdings möchte die Pharmaindustrie das vermutlich nicht hören 😊.

Und ob kaltes duschen tatsächlich die Lebenserwartung erhöht, Angstzustände lindern und Entzündungen entgegenwirken kann, dass lasse ich bewusst offen. Ich für meinen Teil kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen schreiben.

Warum ich heute kalt dusche

1. (M)eine tägliche Challenge

Es ist jeden Morgen eine kleine Challenge mich bewusst dafür zu entscheiden kalt zu duschen. Doch ich habe erkannt: Wenn ich es schaffe morgens kalt zu duschen, was soll mich dann tagsüber noch schocken? Keine Verpflichtung, die mir aufgedrückt wird, kann dieses Erlebnis noch toppen. Durch das kalte Duschen bin ich deutlich widerstandsfähiger und resilienter gegenüber allem, was der Tag noch mit sich bringen mag.

2. Wirkt als Muntermacher

Morgens unter die kalte Dusche zu steigen ist ein Segen, v.a. an Tagen, an denen ich das Gefühl habe, sehr müde zu sein. Nichts hat mich je schneller wach gemacht als kaltes Wasser auf meiner Haut.

3. Verbessert meine Stimmung

Ich weiß, dass es Erklärungen dafür gibt, warum sich kaltes duschen auf die Stimmungslage auswirkt. Der Körper setzt beim Duschen mit kalten Wasser Glücks- bzw. Aktivitätshormone wie Endorphine, Adrenalin und Noradrenalin frei. Und Endorphine gelten per se als „Glückshormone“.

Doch ob Hormone oder Placebo – meine Stimmung verbessert sich. Das reicht mir.

4. Mentale Klarheit

Ich kann nicht sagen, ob kaltes duschen dauerhaft mentale Klarheit schenkt, aber für eine gewisse Zeit schon. Unter der kalten Dusche lichtet sich „der innere Nebel“. Der Kältereiz zwingt meinen Geist automatisch ins Hier und Jetzt, was sehr beruhigend wirkt. Und es erhöht meine Willenskraft.  Denn durch den täglichen Kältereiz trainiere ich u.a. meine Disziplin, in dem ich meinen inneren Schweinehund überwinde. Und wenn ich diesen schon morgens in seine Schranken weise, kann das mitunter sehr nützlich für den Rest des Tages sein.

5. Ich friere weniger

Bis vor einem Jahr war ich eine richtige Frostbeule. Alles unter 10 Grad war kaum auszuhalten für mich. Manchmal habe ich schon im Herbst so viele Schichten an Bekleidung getragen, dass mir angst und bange vor dem Winter wurde. Dabei liebe ich den Winter. Ich liebe es, wenn der Himmel blau ist und Schnee die Welt umhüllt. Aber ich hätte nie etwas dagegen gehabt, wenn Schnee auch bei Plusgraden liegen bleibt 😊

Doch seit ich kalt dusche friere ich deutlich weniger. Ich muss nicht mehr endlose Schichten von Bekleidung tragen, um das Gefühl zu haben warm eingepackt zu sein. Das bringt natürlich auch den Vorteil mit weniger waschen zu müssen 😊.

6. Ich bin weniger krank

Seit ich kalt dusche war ich noch nicht einmal richtig krank. Kann sein, dass es Zufall ist, aber an Zufälle glaube ich eher weniger 😊. Manchmal habe ich Probleme mit einer verstopften Nase, aber hier liegen die Ursachen eher meiner überstandenen Krebserkrankung zugrunde. Im Jahr 2018 wurde ein bösartiger Tumor in meiner Nase gefunden. Und nicht nur dieser wurde bei der anschließenden OP entfernt, sondern auch unzählige Lymphknoten am Hals. Die ersten Jahre hatte ich immer wieder mit Nasennebenhöhlenentzündungen zu kämpfen, aber mit der Zeit wurde es besser. Meine letzte Nasennebenhöhlenentzündung hatte ich vor über einem Jahr. Vielleicht hat das kalte duschen gar nichts damit zu tun, aber ich fühle mich deutlich gesünder und fitter.

7. Beruhigt juckende Haut

Für mich ein sehr lohnenswerter Vorteil. Immer wieder habe ich mit meiner juckenden Haut Probleme. Und ganz gleich welche Cremes und Lotions ich probiert habe- nichts war von Dauer. Selbst Leberkuren, die gegen juckende Haut helfen können hatten keinen langfristigen Erfolg. Erst das kalte Duschen brachte meiner Haut dauerhafte Linderung. Und wenn es doch mal wieder ganz schlimm ist, hilft es mir heute betreffende Stellen kalt abzuduschen.

8. Ich spare Kosten

Für mich war dieser Punkt sicherlich nicht der Hauptgrund kalt zu duschen. Dennoch möchte ich ihn nicht unerwähnt lassen. Denn es spart eine Menge Energie. Die Warmwassererzeugung ist energieintensiv und kann schnell teuer werden. Durchschnittlich 50 Liter Wasser werden beim Duschen verbraucht. Werden diese 50 Liter zusätzlich erhitzt kann das schnell teuer werden. Duscht man dagegen kalt ist das Energiesparpotential dementsprechend groß.

Wann ich nicht kalt dusche

Es gibt Tage, an denen ich bewusst nicht kalt dusche.

1. Wenn ich meine Tage habe

        Während ich meine Tage habe, dusche ich nicht kalt. Hier gibt es unterschiedliche Erfahrungsberichte. Es gibt Frauen, die auch während sie ihre Tage haben, kalt duschen. Ich habe es ausprobiert und als unangenehm empfunden.

        2. Wenn mir kalt ist

        Obwohl ich deutlich weniger friere als früher, wäre es natürlich gelogen zu schreiben gar nicht mehr zu frieren. Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass mir nie mehr warm wird. Und an diesen Tagen ziehe ich eine warme Dusche oder ein entspannendes Bad dem kalten duschen vor.

        3. Erkältung/ Grippe ö.ä.

        Wenn ich das Gefühl habe Viren oder Bakterien versammeln sich in meinem Körper, um eine Party zu feiern, dann verzichte ich darauf kalt zu duschen. Auch wenn ich, seitdem ich kalt dusche, noch nicht einmal richtig krank war, muss ich es auch nicht provozieren 😊.

        4. Wenn ich einfach nicht möchte

        Das Schöne am kalt duschen ist- es ist jeden Morgen eine bewusste Entscheidung. Alles darf- nichts muss. Ich bin weder aus gesundheitlichen noch aus finanziellen Gründen gezwungen mich morgens der „Schock- Therapie“ auszusetzen. Ich mache es allein aufgrund der positiven Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Und doch gibt es Tage, an denen ich denke „Nein, heute nicht.“. Und das ist okay. Ich darf auch nein zu mir selbst sagen.

        Hinterlasse einen Kommentar