„Die Botschaft von Weihnachten: Es gibt keine größere Kraft als die Liebe. Sie überwindet den Hass wie das Licht die Finsternis.“
Martin Luther King
Lange habe ich gezögert diesen Text zu schreiben und zu veröffentlichen, obwohl es ein Thema ist, welches mir sehr am Herzen liegt. Doch bisher habe ich nicht den Mut gefunden mein ambivalentes Verhältnis zu Weihnachten zu teilen. Denn ich möchte niemandem die Freude am Fest der Liebe nehmen oder schlechte Stimmung verbreiten. Dennoch möchte ich meine Gedanken und Gefühle in die Welt tragen und erklären, warum ich Weihnachten (so wie es ist) nicht mag- ich aber dennoch kein Grinch bin.
Die schönste Zeit des Jahres
Von vielen Menschen wird das Fest der Liebe und des Gebens als die schönste Zeit des Jahres gefeiert. Und was die Liebe angeht- die feiere ich sehr gerne mit. Die reine, kraftvolle, von Herzen kommende Liebe, die so hell strahlt, dass sie jede Dunkelheit vertreibt. Die Liebe, die die Welt in ein buntes Farbenmeer verzaubert und uns nach den Sternen greifen lässt. Die Liebe, die uns Wärme, Geborgenheit und Vertrauen schenkt. Ich feiere die Nächstenliebe, die anderen Menschen ein Lächeln schenkt und ihre Welt zu einem besseren Ort macht- und sei es nur für einen Augenblick. Ich feiere die Liebe und Nächstenliebe, die gerne gibt und teilt, aber ich feiere nicht gerne die Liebe, die ihre Wertschätzung durch materielle Dinge ausdrückt.
Geschenke- Wahnsinn
„Weihnachten ist Weihnachten, wenn die Geschenke nicht mehr das Wichtigste sind.“
Unbekannt
Schon lange vor dem Fest der Liebe beginnt der Geschenke- Wahnsinn. Ab spätestens September werden wir unaufhörlich mit Werbungen, Angeboten und Wunsch- Zetteln konfrontiert, die uns nahezu drängen, Geschenke und Süßigkeiten zu kaufen. Anstatt die besinnlichste Zeit des Jahres wirklich zum Entschleunigen, Entspannen und Reflektieren zu nutzen entflammt ein Wettlauf, um das Größtes, Teuerste und Beste Geschenk. Der Austausch von Waren wird zu einer Pflichtübung, die mit Liebe nur wenig gemein hat.
Massenkonsum und Kommerz
In einer Welt, die bereits von Massenkonsum geprägt ist, wird Weihnachten zu einem weiteren Anlass, um unnötige Dinge zu kaufen, die oft nur kurzlebig sind. Die Wegwerfgesellschaft, in der wir leben, wird durch den Konsumrausch während der Advents- und Weihnachtszeit weiter gesteigert. Denn die Freude, über das neue Spielzeug oder die neueste Technik verfliegt meist schneller als wir denken. Zuweilen kann ich gar nicht anders, als mit dem Kopf zu schütteln, wenn ich auf Social- Media Fotos stolzer Eltern und ihrer Geschenke für die Kinder sehe. Brauchen Kinder wirklich so viele Geschenke? Brauchen Jugendliche wirklich das neuste Smartphone, obwohl das alte noch funktioniert? Können Kinder sich überhaupt freuen, wenn sie unterm Tannenbaum sitzen und das zehnte Geschenk auspacken? Können Kinder wirklich jedes einzelne Geschenk wertschätzen? Ich bezweifle dies stark.
Nathalie Birkholz hat zum Thema „Wertschätzung statt Überfluss“ einen wundervollen Beitrag veröffentlicht. In dem Artikel beschreibt sie auf wunderbare Weise, wie sie zu der Erkenntnis kam, ab jetzt weniger zu schenken. Ein sehr empfehlenswerter Artikel, für all jene Menschen, die das Gefühl haben, die endlosen Wunschzettel ihrer Kinder erfüllen zu wollen/ zu müssen.
Studien
Wie eine aktuelle Studie, die auf Statista veröffentlicht wurde zeigt, sind die Pro- Kopf- Ausgaben für Weihnachtsgeschenke in Deutschland in den letzten 13 Jahren um fast 200 € gestiegen. 2011 gaben die Deutschen im Schnitt 338,90 Euro pro Kopf für Weihnachtsgeschenke aus; 2024 stiegen die geplanten Ausgaben auf 533,20 Euro pro Kopf.
Darüber hinaus zeigt eine weitere Studie, dass der Druck Geschenke kaufen zu müssen für viele Menschen sehr nervig ist.
Und eine weitere Studie beschäftigt sich mit beliebten Geschenken. Und hier stellt sich mir tatsächlich die Frage: Sind es Geschenke von Herzen? Nichts kann meiner Meinung nach unpersönlicher sein als Einrichtungsgegenstände, Lebensmittel und Haushaltsgeräte. Schon eine Studie aus 2023 zeigt, dass 22% der Frauen und 18% der Männer es unangenehm finden Haushaltsgeräte geschenkt zu bekommen.
- Studie: Pro-Kopf-Ausgaben für Weihnachtsgeschenke in Deutschland in den Jahren 2011 bis 2024
- Studie: Was finden Sie an der Weihnachtszeit am nervigsten?
- Studie: Beliebte Geschenke, die man zu Weihnachten macht, in Deutschland im Jahr 2024
- Studie: Welche der folgenden Geschenke finden Sie am langweiligsten / unangenehmsten?
Geschenke von Herzen

Ich bin ein Mensch, der seine Mitmenschen gerne beschenkt und natürlich packe ich Geschenke auch sehr gerne aus. Ich kann das regelrecht zelebrieren. Doch Geschenke sollten keine unbedeutenden Waren sein, die untereinander ausgetauscht werden, sondern sie sollten Ausdruck von Liebe und Wertschätzung sein. Geschenke, die das Ergebnis gesellschaftlichen oder familiären Drucks sind, erzeugen bei mir keine besinnliche Stimmung. Eher im Gegenteil.
Für mich ist es wichtig, dass Geschenke von Herzen kommen.
Ein letzter Gedanke zum Geschenke- Wahnsinn
Neben all den Aspekten, die ich bisher beschrieben habe, gibt es jedoch noch den einen und vielleicht wichtigsten Gedanken zum Geschenke- Wahnsinn.
Es erscheint mir völlig absurd, dass wir uns gegenseitig mit materiellen Dingen überhäufen, um unsere Liebe, Zuneigung und Wertschätzung auszudrücken.
„Advent und Weihnachten – Zeit der Stille und Besinnung, bis jemand auf die Idee kam, dass Geschenke sein müssen.“
Unbekannt
Abfallberge und Umweltverschmutzung
Ein weiterer Aspekt, der mich am Fest der Liebe zweifeln lässt, sind die Abfallberge und die damit einhergehende Umweltverschmutzung. Die oft unnötigen Verpackungen und das Geschenkpapier, welches oftmals nur einmal verwendet wird, tragen zur Belastung unseres Planeten bei. Die Berge von Müll, die während der Feiertage entstehen, sind ein sichtbares Zeichen für unsere Konsummentalität.
Mir erscheint es paradox, dass wir in einer Zeit, die für Liebe, Frieden und Besinnlichkeit steht, gleichzeitig so viel Schaden anrichten.
Das es auch anders geht, zeigt der Beitrag „Alle Jahre wieder: Weihnachtsmüll“, der 2017 auf Resorti veröffentlicht wurde.
Heuchelei
„Es ist nicht leicht in einer Welt zu leben, die Moral fordert, aber Heuchelei praktiziert.“
Khalid Chergui
Weihnachten, das Fest der Liebe wird aus meiner Sicht oft von einer tiefen Heuchelei begleitet. Während wir an unseren festlich und üppig gedeckten Tischen sitzen und uns gegenseitig mit materiellen Dingen beschenken, ignorieren wir die Probleme der Gesellschaft. Viele Menschen feiern in Wohlstand, während andere in Armut leben. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, aber zur Weihnachtszeit drängen wir dies in den Hintergrund. Wir feiern in einem Konsumrausch und sprechen von Liebe, die aber jene nicht einschließt, die oft allein und einsam sind.
Schätzungsweise 607.000 Menschen wohnungslos

Die Zahl der wohnungslosen Menschen steigt in vielen Städten, und gerade zu Weihnachten wird ihre Not besonders sichtbar. Allein in Osnabrück begegnen mir immer wieder Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Wohnung, ihren Job, ihre Familie verloren haben. Und natürlich kann ich nicht jedem Menschen helfen, aber hin und wieder (nicht nur zur Weihnachtszeit) etwas Gutes tun.
Weihnachten sollte nicht nur ein Anlass sein, um an uns selbst und unsere engsten Freunde und Familienmitglieder zu denken, sondern wir sollten uns auch für die Menschen einsetzen, die in unserer Gesellschaft oft übersehen und zuweilen sogar diskriminiert werden. Für mich ist es nicht nur eine Frage des Mitgefühls, sondern auch eine Frage der Menschlichkeit. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir helfen können – sei es durch Spenden (Lebensmittel, Bekleidung, Hygieneartikel…), ehrenamtliche Arbeit, Gespräche, Respekt und dem nicht verurteilen.
Herzen öffnen

Und natürlich dürfen wir Weihnachten feiern und die Zeit mit unseren Familien und Freunden genießen. Doch wir sollten dabei nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die in Not sind. Indem wir unsere Herzen öffnen, können wir dazu beitragen, dass auch andere ein wenig Licht, Liebe und Wärme in dieser festlichen Zeit erfahren. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Weihnachten nicht nur ein Fest für diejenigen ist, die es sich „leisten“ können, sondern ein Fest für alle. Denn wahre Nächstenliebe kennt keine Grenzen und sollte in jedem Herzen Platz finden.
Massentierhaltung
Heuchelei findet in meinen Augen jedoch nicht nur statt, wo wir jene Menschen vergessen, die an Weihnachten keine Liebe und Wärme erfahren, sondern auch, wenn es um unsere Mahlzeiten geht. Mir erscheint es eigenartig, dass so viele Menschen zur Weihnachtszeit von Nächstenliebe und Mitgefühl sprechen, während sie gleichzeitig Tiere aus der Massentierhaltung konsumieren. Wir feiern ein Fest, dass für Liebe und Frieden steht, ignorieren dabei aber die Leiden, die hinter unseren Festtagsbraten verborgen sind. Wie können wir vom Fest der Liebe sprechen, wenn auf unseren Tellern ein Tier liegt, welches wahre, bedingungslose Liebe nie erfahren hat?
Bewusstsein für Leiden (H6)
Es geht mir nicht darum Menschen zum Veganismus zu drängen- das wäre sehr anmaßend und steht mir auch nicht zu. Dennoch möchte ein Bewusstsein für das Leiden schaffen, dass oft im Verborgenen bleibt. Deshalb folgen an dieser Stelle in paar Zahlen:
„Pro Jahr werden in Deutschland etwa
- 660 Millionen Hühner (davon 626 Millionen für die Produktion von Fleisch, die übrigen sind Hühner aus der Eierindustrie, die getötet, als „Suppenhuhn“ vermarktet werden)
- 52 Millionen Schweine
- 33,2 Millionen Puten
- 20 Millionen Fische aus „Aquakultur“1
- 9,7 Millionen Enten
- 3,2 Millionen Rinder
- 1,2 Millionen Schafe und Ziegen sowie
- 0,54 Millionen Gänse
für den menschlichen Verzehr getötet.“
Quelle: animalequality.de- „Massentierhaltung“ in Deutschland: Alles, was du wissen musst
Zeit der Reflektion
Weihnachten sollte eine Zeit der Reflektion sein, in der wir nicht nur an uns selbst und unsere Liebsten denken, sondern auch an die, die weniger haben, einsam sind und an die Lebewesen, die für unseren Gaumenschmaus leiden müssen.
Rückbesinnung auf die wahren Werte

Bild von Adam auf Pixabay
Trotz meiner kritischen Sichtweise auf die kommerziellen, ökologischen und sozialen und emotionalen Aspekte möchte ich betonen, dass ich Weihnachten nicht ablehne. Ich bin kein Grinch, der schlechte Laune verbreiten oder seinen Mitmenschen die Freude am Fest der Liebe nehmen möchte.
Vielmehr wünsche ich mir eine Rückbesinnung auf die Werte, die dieses Fest einst geprägt haben. Ich wünsche mir, dass wir den wahren Geist von Weihnachten wieder entdecken- einen Geist, der von Liebe, Dankbarkeit und Wertschätzung getragen wird.
Zeit der Entschleunigung
Weihnachten sollte eine Zeit der Entschleunigung und der Entspannung sein. Eine Zeit, in der wir uns ausruhen, sammeln und auf das Wesentliche, das wirklich Wichtige konzentrieren können: Die Zeit mit unseren Liebsten.
Statt uns mit materiellen Dingen zu überhäufen, sollten wir die wahren Geschenke dieser Zeit in Dankbarkeit wertschätzen: Gemeinsame Momente in Liebe und Frieden und das Erleben wärmender Nähe.
Symbol für Herausforderungen
Für mich ist Weihnachten nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch ein Symbol für die Herausforderungen, die wir als Gesellschaft bewältigen sollten. Es ist an der Zeit über den Tellerrand zu schauen und Zeit, Licht und Liebe nicht nur in den eigenen vier Wänden zu teilen, sondern weit darüber hinaus.
In einer Welt, die von Unsicherheiten geprägt ist- sei es durch politische Spannungen, Kriege, wirtschaftliche Krisen oder dem Klimawandel- Weihnachten sollte eine Zeit der Reflektion sein. Eine Zeit, in der wir über unsere Werte nachdenken und wie wir als Gemeinschaft die Welt ein bisschen besser machen können.
Es ist Zeit für weniger Konsum, weniger Leiden, aber mehr Liebe, Gemeinschaft, Wertschätzung, Dankbarkeit, Achtsamkeit und Licht.
Es ist an der Zeit uns bewusst zu machen, dass wir immer eine Wahl haben:
„Das Licht zu sein und uns für die Liebe zu entscheiden.“
Joey Hulin aus dem Buch „Mein spiritueller Almanach- Ein Jahr achtsam leben“
In diesem Sinne, wünsche ich euch allen eine besinnliche Adventszeit- in der Hoffnung, die festliche Jahreszeit als Anlass zu nehmen, über die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und emotionalen Aspekte nachzudenken.
Anja
Im Jahr 2022 habe ich einen Brief an den Weihnachtsmann geschrieben, den ich seit dem immer wieder angepasst und verändert habe. Wenn du möchtest kannst du ihn gerne lesen 🙂


Wahre Worte. Ich hab einen Kollegen, der erzählt mir, seine Frau sei auch so „gestört“ was die Geschenke für die Tochter angeht. Sie hat soviel, dass es nicht mehr in ihr Zimmer passt. Wo ist die Grenze? Wie sollen die Kinder da überhaupt Respekt vor irgendwas lernen?
Was allerdings Lebensmittel angeht, die hab ich auch schon verschenkt. Mein Vater hat Zöliakie und da mach ich schon mal einen Korb mit den teuren Sachen für ihn zurecht. Oder etwas, was sich meine Eltern nicht leisten, oder da sie nicht im Inet bestellen auch nicht bekommen.
Untereinander schenken mein Mann und ich uns nichts. Wir brauchen nichts, was wir nicht schon haben. Nur die Eltern können leider nicht lassen vom Schenken. Und da kommt dann wieder der Druck – man schenkt zurück.
Dieser Konsumwahn bekomme ich ja beim Paketdienst mit. Es ist enorm angestiegen.
Einen schönen Abend und auch dir eine schöne Adventszeit.
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Ich finde Lebensmittel zu verschenken in gewissen Situationen ( sowie bei deinem Vater) völlig okay oder wenn es sich jemand wirklich wünscht. Allerdings mag ich Lebensmittel- Geschenke nicht, wenn sie gekauft werden, weil einem sonst nichts einfällt 🤔Dann ist es doch besser gar nichts zu schenken oder einfach eine nette Karte mit lieben Worten.
Meine Frau und ich schenken uns auch nichts- es sei denn, eine von uns sieht etwas und findet es als Geschenk toll. Aber meist schenken wir es uns dann einfach so. Manchmal bin ich in der Stadt und „stolpere“ über etwas ganz tolles, wo ich an sie denken muss. Dann kaufe ich es. Aber ich schenke es ihr dann, wenn ich nach Hause komme und warte nicht auf ihren Geburtstag oder Weihnachten ( es sei denn, ich kaufe etwas und es ist kurz vor einem der beiden Tage 😉)
Ich kenne auch Menschen, die kaufen und kaufen und kaufen und ich frage mich wie du häufig: Wo ist die Grenze?
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Mein Vater, wie viele Männer, sind echt schwer zu beschenken.
Ansonsten halten mein Mann und ich es wie ihr. Wenn mir was über den Weg läuft, von dem ich denke es gefällt ihm, nehme ich es mit und schenke es auch gleich.
Dieser Konsumwahn ist echt ausser Kontrolle.
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[…] – Anja hat einen sehr lesenswerten Post über Weihnachten verfasst, Danke dafür! Und bei Manu kannst Du alle Karten und Briefumschläge ihrer Aktion […]
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So wichtig was Du schreibst 🤩🥰🌞. Ich wünsche mir zu Weihnachten 2025 (oder vielleicht auch schon vorher?) einen neuen Artikel von Dir! Herzliche Grüße von Pettersson aus Pettersson‘s Schafstall.
P.S. Kennst du den Weihnachtsfilm von Pettersson & Findus? Ich meine den mit dem improvisierten Weihnachtsbaum? Würde dir, glaube ich gefallen 🐑
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