Die emotional stabilste Version von mir trägt Hoodies in L

Emotionale Stabilität

Es gibt Menschen, die sich emotional stabil fühlen, wenn sie das Gefühl haben, ihr Leben perfekt im Griff zu haben. Wenn sie Belastungen gelassen meistern und sich nach Krisen und Rückschlägen schnell wieder erholen. Wenn sie einen Zustand innerer Balance erleben, bei dem sie alle aufkommenden Gefühle zulassen, annehmen und umarmen können. Wenn sie abends nach Hause kommen und der Lieblingsmensch mit einem „Hallo. Wie war dein Tag?“ auf sie wartet. Wenn ihr Konto gut gefüllt ist und sie wenigstens einmal jährlich in den Urlaub fahren können.

Und dann gibt es mich- in meinen beigen, schwarzen, blauen, grünen und roten Oversize-Hoodies.

Kein anerkanntes Heilmittel

Denn egal, wie chaotisch oder laut es zuweilen in meinem Kopf und Leben ist — sobald ich in einem viel zu großen Hoodie verschwinde, fühlt sich vieles ein kleines bisschen weniger schlimm an.

Mag sein, dass es kein wissenschaftlich anerkanntes Heilmittel ist, aber ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht besonders.

Emotionale Unterstützung in Kleidungsform

Oversize-Hoodies sind für mich emotionale Unterstützung in Kleidungsform.

Denn sie…

… erwarten nichts von mir.
… wollen nicht, dass ich produktiv, elegant oder perfekt aussehe.

… schenken mir ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit.

… bewerten weder meinen Status noch mein Aussehen.

…kritisieren mich nicht und nehmen mich genau so an, wie ich in dem Moment bin.

Glücklich. Traurig. Entspannt. Unter Strom.

Es ist ihnen egal.

Sie schmiegen sich einfach um meinen Körper und sind da. Einfach so. Ohne Bedingungen.

Sie erlauben mir einfach zu sein. Sowie ich bin.

Und genau darin liegt ihr Zauber.

Hoodies lösen keine Probleme, aber…

Es gibt Tage, an denen mir die Welt zu laut ist.
Zu schnell.
Zu viel.

Zu hektisch.

Tage, an denen schon die kleinsten Entscheidungen anstrengend sind und ich mich am liebsten vor allem verstecken würde — vor Erwartungen, vor Menschen, manchmal sogar vor mir selbst.

Tage, an denen ich mich am liebsten unter meine Bettdecke legen würde, um der Welt für einen Augenblick zu entfliehen.

Und dann gibt es diese schweren Tage, an denen ich drohe an meiner Traurigkeit zu ertrinken. Tage, an denen ich Vicky so sehr vermisse, dass ich glaube, nie wieder lachen oder glücklich sein zu können.

Und ja, ein Oversize-Hoodie löst keine Probleme.
Aber er macht das Leben für einen Moment weicher. Kuschliger. Wärmer.

Die emotional stabilste Version von mir

Die emotional stabilste Version von mir sitzt mit einem Kaffee oder Tee in einem farbigen Hoodie auf dem Sofa. Oder in einem Café. Oder auf einer Decke im Park.


Sie liest Bücher.
Antwortet nicht sofort auf Nachrichten.

Hat ihr Handy im Flugmodus oder erst gar nicht bei sich.
Geht spazieren.
Läuft ihre Runden im Park.

Hört lautstark Heavy Metal und lauscht im nächsten Moment, den ruhigen Klängen von Sam Garret.

Schaut sich ihre Lieblingsserie zum zehnten Mal an und das ganz ohne schlechtes Gewissen.


Und sie glaubt daran, dass es im Leben nicht darum geht, sich ständig selbst zu optimieren. Sondern darum, sondern sich mit allen Facetten anzunehmen- echt, widersprüchlich und authentisch.

Woran mich Oversize- Hoodies erinnern

Oversize-Hoodies erinnern mich…

… an lange Zugfahrten mit Musik im Ohr.
… an lange Spaziergänge in kalte Herbsttage.
… an Serienabende mit Lieblingsmenschen.
… an unzählige Stunden in Buchläden.
… an das Gefühl von:

 „Heute muss ich niemandem etwas beweisen“

„Heute muss ich niemand sein- nur ich selbst.“.

Dopamin zum Frühstück-Anja

Ich liebe Oversize-Hoodies, weil sie das Gegenteil von Anpassung und Anstrengung sind.

Sie sagen:
Ich darf müde sein.
Ich darf weich sein.
Ich muss heute nicht glänzen, um wertvoll zu sein.

Und ehrlich? Ich finde, wir brauchen mehr davon.

Mehr Kleidung, die sich nach zuhause anfühlt.
Mehr Tage ohne Performance.

Mehr echtes Ich- sein.
Mehr Gemütlichkeit ohne schlechtes Gewissen.

Die emotional stabilste Version von mir hat ihr Leben nicht immer komplett im Griff.

Es gibt gute Tage. Es gibt schlechte Tage. Es gibt glückliche Tage mit traurigen Anteilen und traurige Tage mit kleinen Lichtmomenten.

Die emotional stabilste Version von mir lässt ihre Tränen zu, wenn sie kommen, statt sie hinter einer Maske zu verstecken. Sie hat gelernt, ihre Widersprüche anzunehmen und zu umarmen.

Sie wird immer ein bisschen Dunkelheit in sich tragen- nicht, weil sie das Licht nicht sehen kann oder will, sondern weil das Leben Spuren hinterlassen hat.

Sie predigt gerne „Lebe den Moment“ und verliert sich trotzdem manchmal in der Vergangenheit. Fragt sich: „Was wäre gewesen, wenn …?“.

Die emotional stabilste Version von mir wird sich wahrscheinlich nie vollständig der Konformität unterwerfen und innerlich immer ein bisschen wie Pippi Langstrumpf bleiben:

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

Vielleicht ist Heilung manchmal nichts Großes.

Vielleicht beginnt sie einfach mit einem ruhigen Morgen, einer Lieblingsplaylist und einem Kapuzenpullover, der sich sicher und geborgen anfühlt.

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