Schwarz- weiß Foto von einer Frau, die auf einer Wiese liegt. Das rechte Bein ist angewinkelt, das linke Bein ausgestreckt. Die Arme liegen im 90 Grad Winkel

Wenn das Hier und Jetzt weh tut: Eine einfache Achtsamkeitsübung, die mein Gedankenkarussell stoppt

Als Achtsamkeit plötzlich schwer wurde

In den vergangenen Monaten fiel es mir oft schwer achtsam durch das Leben zu gehen. Immer wieder schweiften meine Gedanken ab. Meine vorherrschenden Gefühle waren Traurigkeit und Liebe. Liebe, für einen Menschen, den ich nie verlieren wollte. Traurigkeit, weil ich genau diesen Menschen verloren habe.

Ein Teddy der am Rand einer Bank sitzt. Der Platz neben ihm ist leer. Hinter der Bank steht ein Baum.
Bild von Anja auf Pixabay

Als Vicky mich verlassen hat, habe ich mir geschworen den Schmerz ehrlich und bewusst zu fühlen. Ich wollte nicht weglaufen oder den Schmerz verdrängen. Ich wollte meine alten Muster bewusst hinter mir lassen. Kein Alkohol. Kein übereiltes Hineinstürzen in eine neue Beziehung. Keine Ablenkungen durch wilde Partys und lange Nächte. Vielleicht wollte ich die alten Muster auch einfach nur deshalb durchbrechen, weil ich heute Mitte 40 bin und keine 20 mehr 😊.

Ich wollte alles fühlen, denn ich war und bin überzeugt: Nur wenn ich all meinen Gefühlen wirklich Raum gebe, kann langfristige Heilung entstehen.

Allerdings habe ich dabei ein wenig achtsames Leben geführt. Aber das ist okay. Manchmal haben andere Dinge im Leben Vorrang.

Meine achtsamen Momente am Tag beschränkten sich auf mein Morgenritual, regelmäßige Meditationen und mein Sportprogramm. Ansonsten war ich hauptsächlich im „Ich funktioniere- Modus“ unterwegs. Hin und wieder erinnerten mich Atemübungen in besonders stressigen Situationen daran, ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Darüber hinaus hielt ich mich mit Achtsamkeitsübungen jedoch eher zurück.

Was sollte ich im Hier und Jetzt?

Achtsamkeitsübungen bringen einen Menschen immer ins Hier und Jetzt. Aber manchmal wollte ich genau dort nicht sein. Ich wollte zurück nach Hause. Wobei zuhause kein Ort ist- sondern ein Mensch.

Was sollte ich im Hier und Jetzt, wenn Vicky nicht da war?

Schwarz- weiß Foto. Ein Mädchen ( ungefähr 4- 5 Jahre alt) steht allein mit einem Teddy im Arm auf einem Weg. Der Kopf des Mädchens ist gesenkt
Bild von lisa runnels auf Pixabay

Also katapultierte ich mich immer wieder gedanklich in die Vergangenheit. Doch das tat genauso weh wie die Gegenwart.

Es hat lange gedauert, bis ich wieder zu mehr Achtsamkeit zurückfand.

Eine Übung von Barbara Ann Brennan

Dann fiel mir jedoch eine Übung ein, die ich im Buch „Licht- Arbeit- Das große Handbuch der Heilung mit körpereigenen Energiefeldern“ von Barbara Ann Brennan gelesen habe. Die von ihr beschriebene Praxis habe ich allerdings etwas verändert und an meine Bedürfnisse angepasst.

Was Achtsamkeit für mich bedeutet

Für mich bedeutet Achtsamkeit weitaus mehr als mich den starren Vorgaben vieler Achtsamkeitstrainer*innen zu unterwerfen. Ich bin kein Freund von sturen Regeln oder Mustern. Achtsamkeit bedeutet für mich, Übungen so zu verändern, dass sie sich stimmig anfühlen und zu mir passen. Ich habe nichts davon, wenn ich eine Achtsamkeitsübung praktiziere, mit der ich mich nicht wohlfühle. Und Achtsamkeit sollte niemals ein „Du musst…“ enthalten. Achtsamkeit sollte vor allem eines sein: Eine Einladung an sich selbst, um bewusster zu leben.

Die ursprüngliche Übung

Brennan schreibt in ihrem Buch:“ Legen sie sich flach auf den Rücken, mit den Armen an der Seite und die Handflächen nach oben. Legen sie die Beine etwas auseinander, wie es ihnen angenehm ist. Schließen sie die Augen. Entspannen sie ihren Körper, indem sie mit ihrer Aufmerksamkeit von einem Teil zum anderen wandern. Atmen sie ganz natürlich. Konzentrieren sie sich auf ihren Atem und zählen sie die Atemzüge fünf Minuten lang. […] Wenn ihre Gedanken abschweifen, kehren sie zum Zählen zurück, und wenn sie vergessen haben, wo sie waren, dann fangen sie wieder bei 1 an. Während sie ihre Aufmerksamkeit einige Minuten lang ganz auf das Zählen der Atemzüge richten, entspannen sich Körper und Geist.“ *1

Meine Version der Atemzählung

Ich habe die Übung wie folgt angepasst:

Ich lege mich flach auf den Rücken, die Arme neben dem Körper, die Handflächen nach oben. Meine Beine liegen entweder hüftbreit auseinander oder ich stelle sie auf. Manchmal möchte ich ganz bewusst spüren, wie meine Füße den Boden berühren. Das gibt mir Halt und ein Gefühl von Erdung.

Ankommen im Körper

Ich schließe meine Augen und entspanne meinen Körper, mit Hilfe eines kurzen Body Scans. Ich versuche ganz natürlich zu atmen. Und ich schreibe bewusst „versuche“. Denn es kommt durchaus vor, dass ich nicht mehr natürlich atme, sondern sehr bewusst. Denn sobald mir jemand sagt: „Atmen Sie ganz natürlich“, passiert oft das Gegenteil. Das erinnert mich an den Satz: „Stellen Sie sich jetzt keinen pinken Elefanten vor.“

Deshalb richte ich meine Aufmerksamkeit zunächst lieber auf meinen Körper als auf meinen Atem.

Zählen bis 100

Sobald ich gedanklich durch meinen Körper gewandert bin, lenke ich meine Aufmerksamkeit auf die Atmung und beginne zu zählen. Jedoch nicht fünf Minuten wie Brennan empfiehlt, sondern ich nehme mir immer vor bis 100 zu zählen.

Wenn meine Gedanken abschweifen, kehre ich zum Zählen zurück. Meistens beginne ich wieder bei eins, denn sobald meine Gedanken auf Wanderschaft gegangen sind, weiß ich oft nicht mehr, bei welcher Zahl ich stehen geblieben bin.

Ein Reset für Körper und Geist

Zwei Bäume in einem Wald. Durch die Bäume scheint Sonnenlicht.
Bild von Joe auf Pixabay

Diese Übung beruhigt mein Nervensystem ungemein. Und ich bin ganz im Hier und Jetzt- ohne dabei von Gedanken und Gefühlen überwältigt zu werden. Ich bin auf das Zählen fokussiert.

Für mich ist dies eine der effektivsten Übungen, um negative Gedankenspiralen zu durchbrechen. Es geht gar nicht darum Gedanken oder Gefühlen aus dem Weg zu gehen, sondern für mich geht es manchmal nur um eine Reset. Gerade an Tagen, an denen bestimmte Gefühle und Gedanken besonders präsent sind. Dann hilft mir das Zählen meinen Fouks neu auszurichten.

Und wenn diese Übung mal nicht helfen sollte- dann geh ich eben kalt duschen 😊

Kalt duschen hilft immer 😊.

*1 Barbara Ann Brennan- Licht- Arbeit: Das große Handbuch der Heilung mit körpereigenen Energiefeldern; Deutsche Erstausgabe April 1990; Goldmann Verlag; Seite318; ISBN:3-442-12054-3

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