Eine grüne Berglandschaft mit Hügeln, Wiesen und Wäldern

Ein erfülltes Leben jenseits von Leistungsdruck

Acht Wege, für ein leiseres Leben in einer lauten Welt

Menschenmengen in einer Stadt am Abend- Bild ist verschwommen
Bild von StockSnap auf Pixabay

Oftmals ist mir die Welt zu laut, zu bunt und zu hektisch. Dann fühlt es sich an, als würden zu viele Eindrücke gleichzeitig auf mich einströmen – mehr, als ich verarbeiten kann. In solchen Momenten wünsche ich mir nichts sehnlicher, als innerlich zur Ruhe und wieder bei mir selbst anzukommen. Deshalb nehme ich euch heute mit in mein ganz persönliches „mich treiben lassen“. Ich teile, wie ich innere Ruhe finde, wie ich mich aus der Spirale von Reizüberflutung und Leistungsdruck löse – und wie ich Schritt für Schritt meinen Seelenfrieden zurückgewinne.

Leben in einer funktionierenden Gesellschaft

Oft habe ich das Gefühl, in einer Welt zu leben, deren Hauptbotschaft lautet: „Funktioniere.“ „Leiste mehr.“ „Sei effizienter.“. Ich meine, sogar unser Kanzler ist der Ansicht, wir Deutschen arbeiten zu wenig und wir müssen wieder effizienter und produktiver werden- natürlich zum Wohl des Wirtschaftsstandorts, wie Merz nicht aufhören kann zu betonen. Mit diesem ständigen Streben nach Leistung konnte ich mich noch nie identifizieren. Vollzeit arbeiten? Habe ich ausprobiert – und schnell gemerkt: Das ist nichts für mich.

40 Stunden Woche funktioniert für mich nicht

Schon kurz nach meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin wusste ich, dass ich nicht 40 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten möchte. Vor vielen Jahren ließ ich mich aufgrund von Personalmangel dennoch überreden, in Vollzeit zu arbeiten. Nach weniger als einem Jahr war klar: Das funktioniert für mich nicht. Ich war gestresst, gereizt, schlecht gelaunt – und meinem inneren Frieden brachte es mich kein Stück näher.

Warum sollte ich mich also selbst ausnutzen, nur weil Politik und Unternehmen es versäumen, attraktive Arbeitsmodelle zu schaffen? Für mich hatte eine 40-Stunden-Woche keinen echten Mehrwert. Geld war für mich noch nie ein starkes Argument. Stattdessen habe ich gelernt, auch mit weniger zufrieden und glücklich zu sein.

Mit einer 30-Stunden-Woche kann ich gut leben – und gut arbeiten. Und was ein gutes Leben ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich bedeutet es vor allem: Zeit, innere Ruhe und Selbstbestimmung.

Ein gutes Leben jenseits von höher, schneller, weiter

grau- weißer Katze, die auf der Seite liegt und in die Kamera schaut.

Für mich ist ein gutes Leben kein Wettbewerb. Sondern ein Gefühl.

Für mich bedeutet ein gutes Leben:

Ich versuche, Stress so gut es geht zu vermeiden. Denn wenn ich unter Druck gerate, leidet nicht nur mein inneres Gleichgewicht, sondern auch mein Umfeld. Ich werde unruhig, gereizt, weniger konzentriert. Alles in mir sehnt sich dann nach Abstand – nach einem Weg raus aus dem Alltag. Und genau das führte mich auf meinen Weg zu mehr innerer Ruhe – ein Weg, den ich unter anderem in meinem Artikel „Die Stille sprechen hören“ schildere.

Acht Strategien, die mir helfen mit Stress umgehen zu können

1. Mein Morgenritual

Mein Morgenritual hilft mir, ruhig und bewusst in den Tag zu starten. Es schenkt mir Stabilität und ein Gefühl von Verankerung, noch bevor der Tag seine Anforderungen stellt. Diese Zeit gehört nur mir – frei von Leistungsdruck, Terminen und Erwartungen.

Jeden morgen stehe ich um 6:30 Uhr auf. Ich füttere die Katzen, komme der Morgenhygiene ( Öl ziehen, Zähne putzen, Nasendusche) nach und begebe mich anschließend auf meine Meditationsmatte, um Atemübungen und anschließend einen Body- Scan oder eine Meditation zu absolvieren.

Wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen Ritual und Routine. Eine Routine ist ein funktionaler, oft automatisierter Ablauf zur Organisation des Alltags. Ein Ritual hingegen ist eine bewusste Handlung. Es wird nicht erledigt, sondern zelebriert. Rituale holen mich zu mir zurück – Routinen bringen mich nur von A nach B.

2. Zeit in der Natur

Ein Feld mit Mohnblumen im Morgennebel

Zeit in der Natur zu verbringen, gehört für mich zu den wirksamsten Wegen, Stress abzubauen. Hier kann ich meine Akkus aufladen und der Hektik der Stadt entfliehen. In der Natur muss ich nichts leisten und niemand sein. Sie bringt mich ins Hier und Jetzt zurück – für mich die beste Apotheke, die es gibt.

3. Bewusste Auszeiten

Ich plane ganz bewusst Tage ein, an denen ich mich ausschließlich um mich selbst kümmere. Diese Zeiten stehen fest in meinem Kalender – genauso verbindlich wie berufliche Termine.

Für mich ist das purer Luxus. Und gleichzeitig eine notwendige Form der Selbstfürsorge. Denn nur wenn ich mir regelmäßig Raum gebe, kann ich langfristig ausgeglichen und präsent bleiben.

4. Dinge, an mir abprallen lassen

Manchmal ist es wichtig, nicht jeden negativen Impuls an mich heranzulassen. Mir nicht jeden Schuh anzuziehen — besonders den nicht, der nicht passt. Dinge abprallen zu lassen, ist für mich eine Form der inneren Freiheit.

Allerdings musste ich dieses lernen. Früher habe ich mir grundsätzlich alle Schuhe angezogen. Die zu großen und zu kleinen ebenso wie jene, die passten. Es war ein langer Weg und Prozess, um zu lernen, dass ich mir nicht jeden Schuh anziehen muss. Es ist okay, Schuhe ins Regal zu stellen und zu sagen: Passt mir nicht.

5. Prioritäten setzen

Um nicht in Dauerstress zu geraten, habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen. Ich muss nicht alles sofort erledigen. Und ich darf Nein sagen – auch dann, wenn es anderen nicht gefällt.

Nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig. Und nicht jede Erwartung ist meine Verantwortung. Diese Erkenntnis hat mein Leben spürbar entschleunigt.

6. Kloster- Auszeiten

Meditierende Buddha- Statue in der Natur

Auszeiten im EIAB sind ein fester Bestandteil meines Jahres. Ich genieße die Zeit im Kloster jedes Mal und fühle mich anschließend wie neugeboren. Nichts muss- alles darf.

7. Meditation

Meditation ist seit etwa sieben Jahren ein fester Bestandteil meines Alltags. Anfangs war ich dieser Praxis gegenüber sehr skeptisch. Ich meditierte unregelmäßig – immer dann, wenn Zeit und Lust vorhanden waren.

Erst während meiner Klosteraufenthalte erkannte ich den Wert einer regelmäßigen Meditationspraxis. Obwohl ich dort keinen alltäglichen Stressauslösern ausgesetzt bin und war, spürte ich deutlich: Durch das tägliche Meditieren wurde ich ruhiger, gelassener und widerstandsfähiger – auch über die Klosterzeit hinaus.

8. Unterstützung annehmen – warum professionelle Hilfe Stärke ist

Katja, mein spiritueller Sonnenschein, ist mein Anker, wenn ich innerlich feststecke. Sie ist da, wenn mir die Welt zu laut, zu bunt, zu hektisch und zu chaotisch wird.

Ich habe oft Menschen kennengelernt, die professioneller Hilfe skeptisch gegenüberstehen – nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst vor Stigmatisierung. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Wenn ich mir ein Bein breche, gehe ich selbstverständlich zum Arzt. Warum sollte es also weniger legitim sein, mir Hilfe zu holen, wenn ich im Hamsterrad meines Lebens festhänge?

Zu wissen, dass es einen Menschen gibt, der mich auffängt, wenn ich selbst nicht auf meine Ressourcen zugreifen kann, gibt mir Sicherheit. Und manchmal ist genau das der erste Schritt zurück zu mir selbst.

Mich selbst ernst nehmen

Wenn ich auf all diese Wege blicke, wird mir eines klar: Keiner davon ist spektakulär. Es sind kleine Methoden, die mir helfen ein weitestgehend stressfreies Leben zu führen.

Was sie verbindet, ist nicht das Ziel, stressfrei zu sein. Sondern die Entscheidung, mich selbst ernst zu nehmen. Meine Grenzen. Meine Bedürfnisse. Meine Art zu leben.

Innere Ruhe ist für mich nicht ausschließlich ein Zustand, den ich erreiche. Sie ist eine Beziehung – zu mir selbst. Und diese Beziehung will gepflegt werden, jeden Tag aufs Neue.

Warum mein Weg kein Kopfschütteln verdient

Schon seit meiner Jugend habe ich das Gefühl, in einer Welt zu leben, die Menschen wie mich nicht versteht. Eine Welt, die den Kopf schüttelt, weil mir Seelenfrieden wichtiger ist als Geld, Macht oder Karriere.

Mit diesem Kopfschütteln kann ich gut leben. Denn am Ende ist es mein Leben. Und ich habe mich bewusst dafür entschieden, es so zu gestalten, dass ich darin atmen kann.

Und ganz gleich, wie oft unser Kanzler betont, wir Deutschen seien nicht produktiv genug – ich ziehe mir diesen Schuh nicht an. Er passt mir nicht.

Mit meiner 30-Stunden-Woche bin ich deutlich produktiver, als ich es in Vollzeit je war. Denn nur durch die Möglichkeit, gut für mich zu sorgen, kann ich meine Arbeit wirklich gut machen. Geht es mir emotional gut, kann ich präsent sein, Verantwortung übernehmen und 100 Prozent geben.

Ein ausgebrannter Mensch ist vielleicht beschäftigt – aber selten produktiv.

Ich halte nichts von Höher, schneller, weiter. Ich bin ein Freund des Müßiggangs – des bewussten Nichtstuns.

Und vielleicht sollte der Friedrich das auch mal versuchen. Könnte ja sein, dass er dann weniger Unsinn von sich gibt 😊.

2 Kommentare

  1. Vollzeit – das könnte ich auch nicht mehr. Ich komme mit der Zeit so schon nicht klar – und ein 9 to 5 Job – ne – das will ich auch nicht mehr. Wir haben mal 7 Tage die Woche gearbeitet da wir am Wochenende noch Brötchen an Privatpersonen ausgefahren haben. Nach 5 Jahren waren wir fertig – jeden Tag um 3 aufstehen. Als wir aufhörten hat man es kaum am Geld gemerkt. Man hat nicht wirklich mehr Geld, wenn man mehr arbeitet.

    Ich bin auch nicht mehr belastbar – sobald es stressig wird, werde ich unleidlich.

    Abprellen – das muss man wirklich lernen. Ich hab gerade heute mit meinem Mann gesprochen und überlegt in welchen Situationen ich arbeiten ging, obwohl ich nicht konnte – heute – mir doch egal. Ist nicht mein Laden….

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  2. Ja, grade dass mit dem Abprellen lassen muss man üben. Das geht nicht von heute auf morgen. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich an dem Punkt bin, an dem ich heute stehe. Und trotzdem gibt es immer noch Tage, an denen ich mir auch Schuhe anziehen, die mir gar nicht passen. Der Unterschied zu damals besteht allerdings darin, dass ich das heute relativ schnell fühle und dann korrigiere.

    Ein 9 to 5 Job war noch nie was für mich. Nichtmal in Teilzeit könnte ich das. Ich liebe mein Schichtsystem. Ich habe schon während meiner Ausbildung erkannt, dass ich nicht der Typ bin, der jeden Tag von morgens bis mittags oder abends arbeiten kann. Deshalb könnte ich z.B. auch nie in einer Kita arbeiten.

    Ich finde es auf jeden Fall schön zu lesen, dass es anderen Menschen auch so geht und sie so fühlen wie ich.

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